Schwoba-Lexikon

Schwoißfuaß

Die Band Schwoißfuaß im Jahr 1979: sechs Musiker, einige mit langen Haaren, einer mit Brille und Federschmuck
Schwoißfuaß, 1979. Foto: Caroline Maybach, Wikimedia Commons, CC0

Schwoißfuaß, auf Hochdeutsch „Schweißfuß“, war eine deutsche Rockgruppe aus dem Raum Tübingen und Reutlingen. Die Liedtexte sind überwiegend im oberschwäbischen Dialekt geschrieben. Die Band war Ende der 1970er Jahre ein Wegbereiter des Schwobarocks.

Die Gründung 1979

Schwoißfuaß wurde 1979 von Alex Köberlein gegründet. Er kam aus der Band Grachmusikoff, die es seit 1978 gab. Anfangs spielte Schwoißfuaß vor allem Stücke von Grachmusikoff, aber rockiger. Später kamen eigene Lieder dazu. Die wichtigsten Komponisten und Texter waren Alex Köberlein und André Schnisa.

Der Erfolg zu Beginn der 1980er Jahre

Mit dem zweiten Album „Oinr isch emmr dr Arsch“ von 1981 wurde die Band bekannt. Die Konzerte waren oft ausverkauft, zum Teil überfüllt. Innerhalb von zwei Jahren verkaufte die Band nach Angaben der Wikipedia circa 150.000 LPs, die sie selbst produziert und vertrieben hatte. Das Lied „Oinr isch emmr dr Arsch“ ist bis heute regelmäßig in den Top 50 der SWR1-Hitparade Baden-Württemberg zu finden.

Die Plattenfirma EMI Electrola bot der Band einen Vertrag an. Die Band lehnte ab, weil sie fürchtete, dass ihre Musik kommerziell werden würde.

Die folgenden Alben „Mir suached jetz dr Dialog“ (1982) und „Du glaubsch des war a Spiel“ (1983) hatten nicht mehr denselben Erfolg. Ab 1982 gab es Spannungen in der Band.

Besetzungswechsel und Auflösung

1983 verließ der Schlagzeuger Jürgen „Sulla“ Bratke die Band. Kurz danach ging auch André Schnisa, der Bass und Orgel spielte und als Hauptkomponist mitarbeitete. Ein Jahr später kam Andreas „Gottlob“ Schmid für Eberhard Bronner an das Schlagzeug.

1985 nahm die Band das Album „Mach was!?“ auf. Es erschien beim Independent-Label SPV. Es verkaufte sich nur in geringer Stückzahl. Die Alternativbewegung, aus der viele Fans kamen, verlor an Bedeutung. Im März 1986 löste sich die Band auf.

Das Revival 1996

Im Frühjahr 1996 kam die Band für eine Revival-Tour kurz wieder zusammen. Elf Konzerte brachten über 50.000 Besucher. Eine weitere Tour gab es nicht. Alex Köberlein hat seine Konzerte mit Schwoißfuaß Ende 2017 weitgehend eingestellt.

Zwei Mitglieder der ersten Besetzung sind nicht mehr am Leben. Jürgen „Sulla“ Bratke starb 1987 bei einem Wohnungsbrand. André Schnisa starb 1999 an Magenkrebs.

Stil und Haltung

Das Markenzeichen der Band waren die oberschwäbischen Texte. Sie gaben das Lebensgefühl vieler junger Leute in authentischer Umgangssprache wieder. Mit Riedel Diegel an der Mundharmonika hatte die Band einen eigenen Sound. Ungewöhnlich war das für eine deutsche Rockband.

Die Musik war sehr vielfältig. Sie wurde von Jazz, Rock, Blues, Funk und Reggae beeinflusst. Auf dem Album „Du glaubsch des war a Spiel“ ist auch der Einfluss der Neuen Deutschen Welle zu hören. Die Band wurde der links-alternativen Szene zugeordnet, stand dieser aber auch kritisch gegenüber. Das zeigen die Lieder „Bin ich selbr Rastaman?“ und „Laudr guade Leut“.

Alben

Studioalben

Live und Sammlungen

Single 1985: „Mach Was!?“ / „Bloß An Film“

Quellen

Foto: Caroline Maybach, Wikimedia Commons, CC0.

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