Wolle Kriwanek
Wolfgang „Wolle“ Kriwanek wurde am 29. Dezember 1949 in Stuttgart-Stammheim geboren und starb am 20. April 2003 in Backnang. Er war Sänger, Gitarrist und Liedermacher. Er sang Blues und Rock mit schwäbischen Texten und wurde damit in ganz Südwestdeutschland bekannt.
Kindheit und Ausbildung
Kriwanek wuchs in Stammheim auf, einem Stadtteil von Stuttgart. Ein prägendes Erlebnis war Mitte der 1960er Jahre die Fernsehübertragung eines Konzerts der Sängerin Mahalia Jackson. Er beschrieb es später als „Erweckungserlebnis“ und verarbeitete es im Lied „Sing Hallelujah“.
1967 gewann er mit seiner Band den zweiten Preis beim SDR-Nachwuchs-Wettbewerb, der als „Beste Amateurband von Baden-Württemberg“ ausgezeichnet wurde. 1969 machte er sein Abitur am Wirtschaftsgymnasium in Stuttgart. Danach studierte er Englisch und Geographie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und später Lernbehinderten- und Verhaltensgestörtenpädagogik in Reutlingen. Er wurde Sonderschullehrer.
Der Durchbruch: Schwäbischer Blues
1971 gewann er den Sängerwettstreit beim Backnanger Straßenfest. Im Jahr 1975 siegte er beim SDR-Wettbewerb „Bester Liedermacher von Baden-Württemberg“. Danach trat er im ZDF auf, damals mit dem Lied „Lila Tilla“ auf Hochdeutsch. Die Single „Badwanna Blues“ war sein erster großer Erfolg. Die Quellen nennen dafür die Jahre 1975 und 1976.
Seine Karriere war seit 1975 eng mit dem Gitarristen Paul Vincent verbunden. Vincent schrieb fast alle Lieder zusammen mit Kriwanek und unterstützte den schwäbischen Gesang mit der Slide-Gitarre. Das gemeinsame Album „Kriwanek & Vincent“ erschien 1982.
Ende der 1970er Jahre entstand „Die Stroßaboh“, ein Lied über die letzte Straßenbahn der Linie 5 und die Hetzjagd, sie noch zu erwischen. Eine englische Fassung erreichte Platz 10 der britischen Verkaufshitparade.
Lieder für Stuttgart
Kriwanek schrieb Lieder für die Stadt und ihre Vereine. 1986 entstand „Ready, Steady, Go!“ für die Leichtathletik-Europameisterschaften in Stuttgart. Das Lied „Stuttgart kommt!“ wurde später Stadionhymne des VfB Stuttgart. Außerdem schrieb er ein Lied für die Silberpfeile von Mercedes in der Formel 1 und zuletzt ein Lied zur Olympiabewerbung Stuttgarts.
Lehrer und Rockstiftung
Kriwanek arbeitete viele Jahre als Lehrer. Ab 1986 unterrichtete er an der Bodenwaldschule der Paulinenpflege Winnenden. Er wohnte in Backnang. Neben der Musik engagierte er sich für junge Musiker. 1996 wurde er erster Vorsitzender der Rockstiftung Baden-Württemberg mit Sitz in Baden-Baden. Aus dieser Initiative entstand 2003 die Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim, die erste Hochschule dieser Art in Deutschland, an der man ein Studium für Künstler und Musikmanager belegen kann.
Alben (Auswahl)
- 1977: Schwäbische Trilogie – Bei Amazon ansehen *
- 1980: Wolle Kriwanek & Schulz Bros. – Bei Amazon ansehen *
- 1982: Kriwanek & Vincent – Bei Amazon ansehen *
- 1984: Schwabenrock (Best of) – Bei Amazon ansehen *
- 1988: So und nicht anders – Bei Amazon ansehen *
- 1992: Hot Wollé – Bei Amazon ansehen *
- 2002: Zucker & Salz – Bei Amazon ansehen *
- 2003: Spätlese – Bei Amazon ansehen *
Auszeichnungen
- 1967: zweiter Preis beim SDR-Nachwuchs-Wettbewerb
- 1971: erster Preis beim Sängerwettstreit am Backnanger Straßenfest
- 1975: erster Preis beim SDR-Wettbewerb „Bester Liedermacher von Baden-Württemberg“
- 2000: Regionaut (heute Hans-Peter-Stihl-Preis) des Forums Region Stuttgart
Erinnerung
Im April 2003 starb er unerwartet. Die Ursache war der Riss einer Arterie, der auf eine angeborene Schwäche der Herzgefäße zurückging und nie entdeckt worden war. Er liegt auf dem Backnanger Stadtfriedhof begraben.
Am 18. Mai 2009 wurde in Stuttgart-Stammheim die Wissmannstraße, in der er aufwuchs, in „Wolle-Kriwanek-Straße“ umbenannt. In Backnang gibt es außerdem einen „Wolle-Kriwanek-Weg“. Die Stadt Backnang vergibt in seinem Namen einen Förderpreis für junge Talente. Die Stadt Bietigheim-Bissingen erinnerte 2024 mit einem Konzert an ihn.